Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS)

1. Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie)

"Legasthenie ist eine Störung des Lesens und Rechtschreibens, die entwicklungsbiologisch und zentralnervös begründet ist. Die Lernstörung besteht trotz normaler oder auch überdurchschnittlicher Intelligenz und trotz normaler familiärer und schulischer Lernanregungen. Die Beeinträchtigung oder Verzögerung beim Erlernen grundlegender Funktionen, die mit der Reifung des zentralen Nervensystems verbunden ist, hat demnach biologische Ursachen, deren Entwicklung lange vor der Geburt des Kindes angelegt oder durch eine Schädigung im zeitlichen Umkreis der Geburt bedingt ist. Legasthenie ist eine nur schwer therapierbare Krankheit, die zu teilweise erheblichen Störungen bei der zentralen Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von Sprache und Schriftsprache führt. Individuelle Ausprägungen und Schweregrade dieser Lernschwierigkeit ergeben sich durch unterschiedliche Kombinationen von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, der Motorik und der sensorischen Integration. Von Legasthenie sind rund 4% aller Menschen betroffen.

Auswirkungen auf die Leistungsbewertung und die Zeugniserstellung im Fach Deutsch:

Bei Schülern mit einer gutachterlich festgestellten Legasthenie entfällt eine notenmäßige Bewertung des Lesens und Rechtschreibens. Diese Bereiche fließen in die Deutschnote nicht mit ein. In das Zeugnis ist die Bemerkung aufzunehmen: Aufgrund einer fachärztlich festgestellten Legasthenie wurden Rechtschreibleistungen nicht bewertet. Die Erziehungsberechtigten betroffener Schüler sind bei der Antragstellung auf Berücksichtigung einer gutacherlich festgestellten Legasthenie auf diese Zeugnisbemerkung hinzuweisen."

(Aus: Lemitzer, K. & Wiater, W. [Hrsg.] (2004). Kompendium Schulrecht und Schulkunde in Bayern. 4. neu durchgesehene und aktualisierte Auflage. Seelze-Velber: Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung. S. 126.)

 

2. Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS)

"Im Gegensatz zur anhaltenden Lese- und Rechtschreibstörung können Schüler ein vorübergehendes legasthenes Erscheinungsbild aufweisen, das auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist. Ursache dafür kann z.B. eine Erkrankung, eine besondere seelische Belastung oder ein Schulwechsel sein. Rund 7 bis 10% aller Schüler im Einschulungsalter haben Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens.

Auswirkungen auf die Leistungsbewertung und die Zeugniserstellung im Fach Deutsch:

Bei Schülern mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche können die Leistungen im Lesen und Rechtschreiben zurückhaltend gewichtet werden. In das Zeugnis ist die Bemerkung aufzunehmen: Aufgrund einer vorübergehenden Lese- und Rechtschreibschwäche wurden die Leistungen im Lesen und Rechtschreiben zurückhaltend bewertet. Grundsätzlich darf bei diesen Schülern die Rechtschreibleistung nur bei Leistungserhebungen, die der Feststellung der Rechtschreibkenntnisse dienen (z.B. Diktate), notenmäßig bewertet werden. Bei allen anderen Arbeiten, z.B. bei Aufsätzen, Niederschriften, Protokollen, u.a. ist eine fehlerhafte Rechtschreibung zwar zu kennzeichnen, darf aber nicht in die Bewertung einfließen."

(Aus: Lemitzer, K. & Wiater, W. [Hrsg.] (2004). Kompendium Schulrecht und Schulkunde in Bayern. 4. neu durchgesehene und aktualisierte Auflage. Seelze-Velber: Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung. S. 126.)

Weitere Informationen zur Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche sowie Kontaktdaten einer zertifizierten Legasthenietrainerin finden Sie auf der folgenden Internetseite:

http://abc-training.vpweb.de/default.html